DLRK 2025: EU AI Act als Chance und Herausforderung für die Luft- und Raumfahrt 🇪🇺
Luca Ingianni präsentierte ein Poster auf dem Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) 2025, das die Auswirkungen des EU AI Act auf die Luft- und Raumfahrtindustrie und praktische Compliance-Strategien untersuchte.
Über das Poster
Titel: Der EU AI Act als Chance und Herausforderung: Regulierung, Praxisintegration und Compliance-Strategien für KI-Anwendungen in der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie
Session: Sondersitzung - Künstliche Intelligenz (KI) im Datenmanagement Format: Poster-Präsentation (#428) Kongressdatum: 23.-25. September 2025 Ort: Augsburg, Deutschland
Navigation in der neuen KI-Regulierungslandschaft
Der EU AI Act stellt die weltweit erste umfassende KI-Regulierung dar und schafft sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Luft- und Raumfahrtunternehmen, die KI-Technologien einsetzen. Da diese Systeme zunehmend in sicherheitskritische Luftfahrtanwendungen integriert werden, ist das Verständnis der Compliance-Anforderungen unerlässlich.
Die Chance
Der EU AI Act bietet erhebliche Vorteile für die Luft- und Raumfahrtindustrie:
- Rechtssicherheit: Klarer regulatorischer Rahmen für KI-Einsatz in europäischen Märkten
- Wettbewerbsvorteil: Unternehmen, die Compliance nachweisen, gewinnen Vertrauen und Marktzugang
- Vertrauenswürdige KI: Strukturierter Ansatz zum Aufbau von Systemen, die Sicherheits- und Ethikstandards erfüllen
- Internationale Führungsrolle: Grundlage für globale KI-Sicherheitsstandards in der Luftfahrt
Die Herausforderung
Die Implementierung von KI-Systemen unter dem EU AI Act stellt mehrere komplexe Anforderungen:
System-Klassifizierung
- Bestimmung von Risikolevels (minimal, begrenzt, hohes Risiko, unzulässig) für Luft- und Raumfahrt-KI-Anwendungen
- Verständnis, wann Luftfahrt-KI-Systeme als “hohes Risiko” qualifiziert werden
- Navigation durch Überschneidungen mit bestehenden Luftfahrtvorschriften
Dokumentationsanforderungen
- Umfassende technische Dokumentation über den gesamten KI-System-Lebenszyklus
- Risikomanagement-Dokumentation und Minderungsstrategien
- Data-Governance- und Qualitätsanforderungen
- Model Cards und Transparenzberichte
Betriebliche Anforderungen
- Mechanismen für menschliche Aufsicht bei Hochrisiko-Systemen
- Erklärbarkeit und Interpretierbarkeit von KI-Entscheidungen
- Kontinuierliche Überwachung und Leistungsverfolgung nach Deployment
- Incident Reporting und Korrekturmaßnahmen
Praktische Compliance-Strategien
Lucas Poster skizzierte umsetzbare Ansätze für Luft- und Raumfahrtorganisationen:
1. Risikobewertungs-Frameworks
- Systematische Evaluierungsmethodik für KI-Systeme anhand der EU AI Act-Kriterien
- Integration mit bestehenden Luftfahrt-Sicherheitsbewertungsprozessen
- Vorlagen für die Dokumentation von Risikoklassifizierungen und Begründungen
2. Compliance-bereite Dokumentation
- Früher Beginn von Dokumentationspraktiken im KI-Entwicklungslebenszyklus
- Nutzung bestehender DO-178C-, DO-254- und ARP4754A-Dokumentationsstrukturen
- Aufbau von Rückverfolgbarkeit von Anforderungen bis zum Deployment
3. Qualitätsmanagement-Integration
- Einbettung der EU AI Act-Anforderungen in bestehende Luft- und Raumfahrt-QMS
- Ausrichtung an AS9100 und anderen Industriequalitätsstandards
- Schaffung von Compliance-Checkpoints in Entwicklungsprozessen
4. Testing und Validierung
- Nachweis von KI-System-Robustheit und -Genauigkeit
- Etablierung von Leistungsbaselines und Akzeptanzkriterien
- Validierungsansätze für ML/KI-Systeme in sicherheitskritischen Kontexten
5. Kontinuierliches Monitoring
- Post-Deployment-Leistungsverfolgung
- Drift-Erkennung und Modell-Degradations-Überwachung
- Incident-Management- und Korrekturmaßnahmen-Systeme
Brückenschlag zwischen Regulierung und Innovation
Ein Schlüsselthema des Posters: Compliance muss Innovation nicht verlangsamen. Durch Integration der EU AI Act-Anforderungen in bestehende Luft- und Raumfahrt-Engineering-Prozesse können Unternehmen:
- Compliance-Artefakte als Teil der normalen Entwicklungsarbeit erstellen
- Späte Nacharbeiten und Zertifizierungsverzögerungen reduzieren
- Wiederverwendbare Compliance-Frameworks über Projekte hinweg schaffen
- Verantwortungsvolle KI-Praktiken gegenüber Regulierungsbehörden und Kunden demonstrieren
Wichtige Erkenntnisse
Für Luft- und Raumfahrt-Ingenieure:
- EU AI Act-Anforderungen passen gut zu bestehenden sicherheitskritischen Entwicklungspraktiken
- Frühe Planung reduziert die Compliance-Last erheblich
- Dokumentation und Rückverfolgbarkeit sind von größter Bedeutung
Für Programm-Manager:
- Budget für Compliance-Aktivitäten von Projektbeginn an einplanen
- Aufbau funktionsübergreifender Teams einschließlich Legal-, Regulatory- und Technical-Experten
- Längere Zertifizierungszeitpläne während der Übergangsphase einplanen
Für Führungskräfte:
- EU AI Act-Compliance ist ein Wettbewerbsdifferenziator
- Investition in Compliance-Infrastruktur zahlt sich über mehrere Projekte aus
- Proaktive Compliance reduziert Regulierungsrisiko
Über den DLRK
Der Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) ist die führende Luft- und Raumfahrtkonferenz im deutschsprachigen Raum und bringt Forscher, Ingenieure und Branchenführer zusammen, um modernste Herausforderungen in Luft- und Raumfahrttechnologie und -regulierung anzugehen.
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